Rache, biologisch abbaubar
Internetdienst versendet PFERDEMIST an ungeliebte Personen
JENS KITZLER, Der Sonntag, 28.2.10
Umweltfreundlich andere ärgern und selbst Ärger abbauen: Über den Internetdienst "biorache.com" kann man apart verpackten Pferdemist verschicken - zum Beispiel an einen Menschen, den man für ein Miststück hält.
Ist das fies? Okay, wer will schon ein Stück Pferdesch... vom Postboten bekommen? Ein ganz so gemeiner Akt, wie man zunächst denken möchte, ist es dann aber nicht, wenn man den Dienst in Anspruch nimmt - es ist doch mehr ein symbolischer denn ein brutaler Akt. "Geschenk vom Erschröcklichen Schwarzwälder Bioracheross" steht auf der Packung - pure Heimtücke warnt nicht auf diese Weise. Auch steigt einem beim Öffnen nicht gleich ein warmer, feuchter Dampf von Pferdehaufen in die Nase; die kleine Menge Mist ist noch einmal artig in Cellophan verpackt.
Aber es ist eben Pferdemist. "Jeder von uns kennt doch genügend Miststücke, die er so mal gerne bedenken würde", sagt der Versender. Den ungeliebten Arbeitskollegen, die Schwiegermutter, den ehemaligen Vermieter, den Mathelehrer - Adressaten, denen man Schlechtes wünscht, weiß ein jeder genug.
Seit fast einem Monat nun besteht die Seite biorache.com, angeblich wird der Dienst angenommen: Zwischen 30 und 40 Päckchen sind nach eigenen Angaben schon versendet. Auf der Webseite kann man bestellen: den "Kleinen Mist" 100 Gramm für 9,90 Euro, den "Großen Mist", ein Pfund für 19,90 Euro. Plus Versandkosten. Für die Inhalte sorgt Iphrane, eine 16-jährige Stute, die auf einem Gehöft vor den Toren Freiburgs lebt und Pferdeäpfel produziert. Engpässe seien nicht zu befürchten; Iphrane habe auch noch zwei Freundinnen, die genug Mist machten. "Der Bauer packt das dann immer ab" sagt der Seitenbetreiber, "der kriegt dafür mehr Stallmiete". Dann lacht der gebürtige Ruhrgebietler wieder, wie er es überhaupt sehr oft tut. Allzu ernst nimmt er seine Idee auch nicht - vom Mistversand muss der Mann, der mehrere Internetportale betreibt, ja auch nicht leben.
Expansion ins Ausland
Dennoch, das Geschäft wächst. Der Rundfunk war schon da, eine Illustrierte hat sich zur Berichterstattung angemeldet. Gerade wurden die entsprechenden Internet-Adressen für Österreich und die Schweiz angemeldet - auch Österreich und die Schweiz können Pferdeäpfel buchen. Welche Reaktionen seine Päckchen auslösen, davon bekommt der Dienstleister nichts mit. Ob die Empfänger sie verärgert in den Müll pfeffern? MUSS nicht sein, sagt Versender. "Stecken Sie sie in einen Blumentopf, düngen Sie die Geranien auf dem Balkon."
(leicht gerafft)


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vor 25 Wochen 2 Tage