Halt am Waldsee - dritter Teil
Ausritt mit dem fürchterlichen RacheRoss
Neue Pferdemode - Schnabelhufe
Der See, Ende des 19. Jahrhundert angelegt, diente lange zum Eisbrechen. Die Eisquader, lange vor der Erfindung von Kühlschränken, wurden in die Bürgerhäuser geliefert und sorgten in den Kellern für die Kühlung von Lebensmitteln.
Hinter der Terrasse, unten zu sehen, befinden sind noch Stollen zur Lagerung des Eises.
Will man das hier haben, wie auf dem zweiten Bild zu sehen, dann sollte das Pferd ein wenig klettern können ...
Zu diesem Behufe also die vorherigen Kletterübungen.
Wenn etwas wirklich ganz außerordentlich ist, bei feierlichen Gelegenheiten wie bei der Szene auf der Terrasse hier unten, wird dem Ross ganz warm ums Herz, und dann singt es ein erhebendes Lied, "C´est Extra" ("Ganz toll" - nix für Sechzehnjährige!) aus seiner französischen Heimat von Leo Ferré, Gott habe ihn selig. Den hatte es mal in seinem Haus, einer Kapelle in der Toskana, besucht, nachdem er in Freiburg im französischen Kulturinstitut aufgetreten war.
Direktor war damals ein Mann, der sich nicht so lange hielt, denn er sorgte in der ehrwürdigen Villa, wo er mit seiner Familie oben auch Wohnung nahm, für ungewohnte Animation. Gebrüll und Gekeife waren alltäglich, einmal flogen Pantoffel durch das weite Treppenhaus, und an den Angestellen wurde alles ausgelassen. Ob er wirklich ein böses Weib hatte? Man weiß es nicht. Vielleicht hatte er auch einfach nur schlechte Laune, weil das Institut damals noch am Werderring ansässig war und er so jeden Tag an eine Schmach erinnert wurde.
General von Werder war nämlich 1870/71 - das ist der letzte Krieg, den wir gewonnen hatten, so dass jeder Esel sich das merken kann, ha! - für den Beschuss von Straßburg verantwortlich, wobei die Bibliothek in Flammen aufging, ein unersetztlicher Verlust. Wie auch immer: Dem Direktor sei verziehen, denn immerhin hatte er es geschafft, Ferré nach Freiburg zu holen, einen der größten Chansonniers französischer Sprache.
Zurück in die Toskana: Ferré schliff noch an Feinheiten zu seiner "Opéra du Pauvre", und alle lagen auf dem Boden bis zum Morgengrauen, ein Kissen untem Kopf, der Musik lauschtend.
Er war auch Pferdehalter, eine Stute für seine Gören, halt. So ganz verzieh ihm das Ross allerdings nie, dass er sein Pferd hatte ziemlich verkommen lassen. Es war unbeschlagen, aber da kaum geritten, wuchsen die Hufe viel zu lang aus und richteten sich krumm nach oben, an Renaissance-Schnabelschuhe erinnernd. Immehin waren sie nicht noch rotlackiert, wie die Mopskrallen im höchst lesenswerten und amüsanten Buch von Marco Gerhards, Briefe aus Südamerika - Indianerherzen, wandelnde Bäume und rotlackierte Möpse, einem Muss für Südamerikareisende.
Auf dieser Seite ist ein weiteres Lieblingslied des Rosses zu finden ... Immer gut, wenn es ein wenig rossig ist.
Aber: es kann auch anders! Hier findet sich ein Link zu seinen Kampfgesang bei Biobollenschlachten. Hier auch die Liedtexte für Französischkundige.
Bildlegenden:
Treppensteigen ist doof
Blick hinunter auf den See
Waldseerestaurant mit Terrasse im Hintergrund






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vor 25 Wochen 2 Tage